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Die Zentren

Was ist das Enneagramm?

Das Wort "Enneagramm" kommt vom griechischen "ennea gramma", was bedeutet: "Gestalt mit neun Seiten". Heute bezeichnet man mit diesem Wort eine Methode, die die unterschiedlichen Charaktere untersucht und dabei von neun verschiedenen Charaktertypen des Menschen ausgeht.

Historisch gesehen beruht dieser Ansatz auf bestimmten Grundtendenzen in jedem Menschen. Diese werden in zahlreichen Traditionen und Kulturen sowohl in der spirituellen als auch in der philosophischen Literatur erörtert. Die Buddhisten zum Beispiel sprechen vom Lebensrad oder die Christen von den "Kapitalsünden". Bei diesen Tendenzen, die man auch als "Leidenschaften", "Laster" oder "Schwächen" bezeichnet, handelt es sich um unbewusste Konditionierungen, die sich auf unser gesamtes Verhalten auswirken. Es sind die folgenden neun:

Schamlosigkeit, Zorn, Trägheit

Stolz, Neid, Lüge

Geiz, Genusssucht, Angst

 

Jeder Mensch hat einen zentralen Charakterzug. Dieser lässt sich mit einer Achse vergleichen, um die seine gesamte Persönlichkeit angeordnet ist. Das ist eine "Fixierung", eine Leidenschaft, die sich aus einem bestimmten Verteidigungsmechanismus ergeben hat, den man bereits als Kind angewendet hat. Diese - meist unbewusste - Fixierung spiegelt sich in unseren Gewohnheiten wider und schränkt unsere Weltsicht ein. 

 

 

Wo aber kommen diese Leidenschaften her?

Im Laufe der Entwicklungsgeschichte hat der Mensch drei Gehirne bzw. - Gehirnbereiche ausgebildet (Stammhirn, limbisches System, Cortex). Jeder dieser  Steuerungsbereiche ist für bestimmte Funktionen des Menschen zuständig, deren Entwicklung  aufgrund unterschiedlicher Lebenssituationen jeweils als Überlebensstrategie und zur Erfüllung der unterschiedlichen menschlichen Bedürfnisse notwendig geworden war.

Zusammenfassend kann man die Bedürfnisse des Menschen auf drei grundlegende reduzieren:

 

Sicherheit, Autonomie und Beziehung

 

Diese lassen sich  den drei Gehirnregionen zuordnen:  

 

 

Stammhirn Autonomie zur Gestaltung der Gegenwart
Limbisches System Beziehung zur Reflexion der Vergangenheit
Cortex Sicherheit zur Planung der Zukunft

David Golemann spricht in seinem  Buch "Die emotionale Intelligenz" von vier Basisemotionen:

 

Freude, Wut, Trauer und Angst

 

Alle weiteren Emotionen sind im Grunde lediglich Mischungen aus diesen Vieren. Die Freude scheint als etwas Positives aus dem Rahmen zu fallen - hierzu aber später mehr. Die drei anderen lassen sich zwanglos den Gehirnregionen und den damit verbundenen menschlichen Bedürfnissen zuordnen:

 

 

Stammhirn Autonomie (Gegenwartsaspekt) Wut 
Limbisches System Beziehung (Vergangenheitsaspekt) Trauer  
Cortex Sicherheit (Zukunftsaspekt) Angst

Den Zusammenhang zwischen Grundbedürfnissen und Basisemotionen erachte ich gerade im Hinblick auf die Entstehung der menschlichen Leidenschaften für besonders wichtig.   

In Übereinstimmung mit allen psychologischen Modellen findet in der Kindheit eine Verletzung in einem der oben genannten Bereiche statt, es entsteht eine Not, die bewältigt werden muss. (Ob diese Verletzung bereits genetisch verankert ist oder tatsächlich geschieht ist ebenso müßig wie die Frage nach der Henne und dem Ei).

Ein Verhaltensnotprogramm wird aufgebaut, eine Basisemotion wird verformt, verwandelt sich in eine Leidenschaft, um diese Bedrohung zu bewältigen. Schließlich wird  die erlernte (oder angeborene) Verhaltensweise und die entwickelte Leidenschaft generalisiert und bestimmt zukünftig die Sicht- und Wahrnehmungsweise des Menschen, d.h. es entsteht das, was wir in der Psychologie eine Persönlichkeit nennen.

Das  uralte Modell des Enneagramms bestätigt  in eindrucksvoller Weise immer wieder scheinbar neue psychologische Erkenntnisse und in verblüffender Manier die Erkenntnisse der Gehirnforschung.

Das Enneagramm   bezeichnet die  bestimmenden Steuerungsbereiche als Zentren und diese aufgrund ihrer Reflexivität im menschlichen Körper als Bauch-, Kopf- und Herzzentren. So ergibt sich folgender Zusammenhang:

Welche Themen beschäftigen aber die verschiedenen Steuerungszentren, welche konkrete Not ist jeweils entstanden  und welche  Verhaltens - "Fixierungen", d.h. welche Persönlichkeiten ergeben sich daraus?

Ich lade Dich ein, Dich näher mit den einzelnen Zentren zu beschäftigen.


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